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Zur Geschichte der Österreichischen
Exlibris-Gesellschaft (ÖEG)
Die Österreichische Exlibris-Gesellschaft blickt
dieses Jahr auf eine 100-jährige, abwechslungsreiche und interessante
Geschichte zurück. Es begann schon vor 1903 als in Wien eine "Tischgesellschaft"
ins Leben gerufen worden ist, eine "freie, durch keinerlei vereinsgesetzliche
Vorschriften gebundene Gesellschaft", wobei sich einige hochgestellte
Persönlichkeiten lose zum Thema Exlibris treffen wollten.
Dies waren wichtige Exlibris
Sammler der ersten Stunde, die schon bedeutende Sammlungen zusammengetragen
haben, da das Bewußtsein wuchs, im Exlibris einen Kulturträger
und eine Kunstgattung identifiziert zu haben, die mit dem Buche auf
das engste verbunden ist, ja noch mehr, den Besitzer des Buches durch
eine künstlerische Gestaltung des Bucheignerzeichens hervorhebt
und dadurch dieses einzelne Buch zu einem Unikat macht.
Die Idee fand einen so großen Widerhall, so daß
die Proponenten der Tischgesellschaft, darunter Moritz von Weittenhiller,
Rudolf Höfken Ritter von Hattingsheim und von der Künstlerschaft
der k.k. Hof-Wappenmaler Ernst Krahl, die Initiative ergriffen und Anfang
1903 die "Österreichische Exlibris-Gesellschaft" gründeten.
Es war das Bestreben sich "in erster Linie der Erforschung und
Hebung der heimatlichen Ex libris-Schätze [zu] widmen und sich
[zu] bemühen, den österreichisch-heimatlichen Boden der Exlibris-Bewegung
zu erschließen".
Heute, 100 Jahre später, ist von der blumigen "Hebung
der heimatlichen Exlibris-Schätze" keine Rede mehr und es
heißt in den Satzungen 2002 eher nüchtern, aber dem Ziel
der Gesellschaft als wissenschaftliche Institution entsprechend: "...
die Förderung der Exlibriskunst und der ihr verwandten Zweige der
Kleingraphik in Österreich und im Ausland [...] und die Erforschung
der Geschichte der Kleingraphik - insbesondere des Exlibris - und die
Förderung ihrer Verbreitung in der Gegenwart."
Die
erste "Publikation" ist zu Weihnachten 1903 erschienen und
seit dieser Zeit fast ohne Unterbrechung als "Jahrbücher"
bis heute bekannt und geschätzt. Der erste Weltkrieg hat die Vereinstätigkeit
kaum beeinflußt, mehr schon die Zeit der Weltwirtschaftskrise
mit ihrer Hyperinflation. Doch durch weitsichtige Führung der Gesellschaft
ist auch diese schwierige Zeit gut überwunden worden. Zur besseren
Information der steigenden Zahl der Mitglieder im In- und Ausland sind
1937 die "Mitteilungen" eingeführt worden, die 2-3 mal
pro Jahr auch heute erscheinen.
Die politischen Veränderungen des Jahres 1938 sind
auch an der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft nicht spurlos
vorübergegangen. Die neuen Machthaber stießen sich vor allem
an dem Namen der Gesellschaft und änderten ihn kurzerhand in "Wiener
Exlibris-Gesellschaft". Die Jahre des Krieges haben die Gesellschaft,
so wie jede andere Art kultureller Arbeit gelähmt. Jedoch gleich
nach dem Zusammenbruch taten sich die alten Getreuen zusammen, um die
Weiterführung der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft zu
erwirken. Dies gelang, und mit Elan, Initiative und Ideen ist die Gesellschaft
in eine neue Ära geführt worden. Die Jahrbücher, die
Mitteilungen (Neue Folge) wurden wieder aufgenommen, Vortragsreihen
veranstaltet, Sonderveröffentlichungen publiziert, die Gesellschaft
öffnete sich auch international und die Mitgliederzahl erreichte
1951 eine Rekordmarke von 400 Mitgliedern.
Die Sammler-Gemeinde ist ja nur ein Teil der Gesellschaft;
die Künstler sind der unverzichtbare andere, ergänzende Teil,
der von Anfang an sehr prominente Vertreter aufzuweisen hatte. Es ist
kein Zufall, daß in der I. Publikation 1903 der damals junge Alfred
Cossmann vorgestellt wurde, der in der Folge eine ganze Generation von
Graphikern ausbildete und nach sich zog, die alle zu der legendären
"Cossmann Schule" des Kupferstichs gehörten oder Cossmann
und Hans Ranzoni d.J. zum Vorbild hatten und zu deren Schlußpunkt
man heute noch den bekannten Markenstecher Werner Pfeiler zählen
darf. Auch auf dem Gebiet der Xylographie hat das österreichische
Exlibris mit den "Linzern" Max Kislinger, Franz Lehner und
Toni Hofer einen Höhepunkt erreicht. Und man kann sagen, daß
auch heute viele bekannte, wie z.B. Arnulf Rainer, Hermann Härtel,
oder weniger bekannten Künstler sich dem Exlibris widmen.
Wir
können nicht leugnen, daß sich in den letzten 100 Jahren
in unserem sozialen Umfeld grundlegende und einschneidende Veränderungen
ergeben haben, die alle Lebensbereiche erfaßten, so auch unsere
Freizeit und wie wir sie gestalten. Das Buch, und damit auch die Bedeutung
das Exlibris hat sich unter den Verschiebungen vom Bildungsbürgertum
zur digitalen Gesellschaft verändert. Es ist heute weniger ein
Bucheignerhinweis im Buche als ein individualisiertes Sammelobjekt enthusiastischer
Kleingraphiksammler in deren Exlibris-Sammlungen. Die Erarbeitung dieser
individuellen, personalisierten Kleingraphik in enger Zusammenarbeit
mit dem Künstler ist eines der reizvollen Aspekte der Beschäftigung
mit dem Exlibris.
Heute zählt die ÖEG an die 250 Mitglieder.
In regelmäßigen Treffen werden Vorträge gehalten, Tauschveranstaltungen
organisiert und in engem Kontakt mit Künstlern neue Blätter
in Auftrag gegeben. Auf diese Weise beteiligen sich die Mitglieder aktiv
am Kunstgeschehen und fördern Künstler. Die ÖEG informiert
ihre Mitglieder in regelmäßig erscheinenden MITTEILUNGEN
über die Welt des Exlibris und publiziert das periodische JAHRBUCH
mit kulturhistorischen Beiträgen zum Bucheignerzeichen, zur Gebrauchsgraphik
und der Kleingraphik im allgemeinen.
Das Archiv der ÖEG wird in der Österreichischen
Nationalbibliothek verwahrt. Die Mitglieder pflegen auch enge Kontakte
zum Ausland, da ja die Exlibris-Idee weltumspannend ist. 38 nationale
Gesellschaften sind in der Dachorganisation FISAE (Federation International
des Societes d’Amateurs d’Exlibris) zusammengefaßt.
Begonnen hat dies auch in Österreich, als 1953 die ÖEG den
I. FISAE-Kongreß organisierte. Seit diesen Anfängen gab es
Kongresse nicht nur in vielen Ländern Europas, sondern auch in
Japan und Amerika und 2004 hat Österreich zum vierten mal die Ehre
den jetzt schon XXX. Kongreß diesmal in Wels zu veranstalten.
Die ÖEG bleibt dem Exlibris, der Gebrauchs- und Kleingraphik verpflichtet
und setzt die Exlibris-Tradition in Österreich fort.
Als Literaturhinweis wird empfohlen: Stock, Karl F.: Österreichische
Exlibris-Bibliographie 1881 - 2003. Verlag K. G. Saur, München 2004.
ISBN 3-598-11687-X
Heinrich R. Scheffer
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