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Marianne Steinberger-Hitschmann
20.4.1887 - 4.4.1919
Über das Leben der Wiener Künstlerin Marianne Steinberger-Hitschmann
ist wenig bekannt geblieben. Sie wurde 1887 geboren und teilte mit anderen
Künstlerinnen ihrer Zeit das Schicksal, keine den Männern vorbehaltene
akademische Ausbildung zu absolvieren. Allerdings besuchte sie die von
der Malerin, Dichterin und Frauenrechtlerin Rosa Mayreder gegründete
private Kunstschule für Frauen und Mädchen in Wien und wurde
wie auch die bekannte Malerin Broncia Koller-Pinell von Professor Adolf
Böhm in den dekorativen Stil der Secessionisten eingeführt.
Wie Koller-Pinell stellte sie als 21-Jährige auf der Ausstellung
1908 im Wiener Kunsthaus aus.
Anders als manche ihrer rebellischeren Zeitgenossinnen scheint sie sich
allerdings in der den Frauen zugewiesenen Nische eingerichtet und sich
rollenkonform den Künstlerinnen zugestandenen Motiven und Gegenständen
gewidmet zu haben. Dazu gehörte vor allem die künstlerische
Gebrauchsgrafik. Bekannt geworden ist sie daher vor allem als Exlibriskünstlerin
und Buchillustratorin, wobei ihre Formensprache ein charakteristisches
Beispiel für die gebrauchsgrafische Kunst der Wiener Moderne ist.
Wie häufig bei den öffentlich tätigen Frauen dieser Zeit
ist allerdings ihr Leben und Schaffen weitgehend im Dunkeln geblieben,
wobei ihre Heirat mit dem Zahnarzt Dr. R. Hitschmann dazu beigetragen
haben mag, dass sie ihre veröffentlichte künstlerische Tätigkeit
einschränkte. Ihre bisher bekannten 29 Exlibris sind alle in der
ersten Dekade des 20. Jahrhunderts entstanden. Kurzfristig war sie auch
Mitglied der Österreichischen Ex Libris Gesellschaft und hat auch
Exlibris für deren Mitglieder gefertigt; aber nach 1911 sind keine
Exlibris von ihr mehr bekannt geworden.
Neben der Exlibrisgrafik hat sie auch noch andere gebrauchsgraphische
Arbeiten geschaffen, z. B. Kalenderblätter, Bucheinbände und die Postkartenserie "Aus der Wiener Kriegswaldschule" (Brüder Kohn, Wien). In den Verlagen Konegen
und Sesam hat sie bis 1925 Kinder- und Märchenbücher illustriert
und dabei ähnlich stimmungsvolle Wirkungen wie mit ihren Exlibris
erzielt.
Zu den Jugendschriften des Konegen Verlags, die sie illustrierte, gehören:
Rona, Elisabet: Prinzessin Sonnenschein (1910)
Brentano, Clemens: Gockel, Hinkel und Gackeleia (um 1910)
Storm Theodor: Schneewittchen (um 1919)
Berlepsch, Goswina: Wenn’s dämmert ... Märchen und Geschichten
(um 1912)
Scheu-Riesz, Helene – Eugenie Hoffmann (Hrsg.): Das Märchen
vom Mondriesen (um 1919)
Hauff, Wilhelm: Die Geschichte vom Kalif Storch, Die Geschichte vom kleinen
Muck (1910)
Grimm, Brüder: Aus Grimms Märchen (um 1920)
Nordische Sagen
Im Sesam Verlag erschien: Knoop, Gerhard Ouckama: Fünf Märchen
(1925)
Der Verlag Artur Wolf veröffentliche einen Zyklus von 10 Radierungen mit
dem Titel Melodien. Dank der Recherchen von Dr. Claudia Karolyi von der ÖNB (Vgl. Aufbruch und Idylle Exlibris österreichischer Könstlerinnen 1900 - 1945, 12. Sonderveröffentlichung der ÖEG, Wien 2004) wissen wir jetzt, dass das Schaffen der Künstlerin jäh endete, als sie 1919 im Alter von 32 Jahren an einer Lungenentzündung starb.
Heinz Decker
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