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Hans Ranzoni d.J.
06.09.1896 Wien – 11.10.1991 Wien
Seine Vorfahren waren in Italien beheimatet, aber noch nicht der Kunst
verschrieben. Aber bereits seine Großeltern hatten nicht nur künstlerische
Neigungen, mit Adalbert Stifter als ihrem Erzieher ist wohl anzunehmen,
daß sich dessen feinsinnige Wahrnehmung der Natur auch in seinen
Zöglingen manifestierte.
In seinem Elternhaus wuchs der junge Ranzoni in einer von Kunst geprägten
Atmosphäre auf. Sein Vater, Hans Ranzoni der Ältere, zählte
zu Wiens bekanntesten Malern und war Präsident der Genossenschaft
bildender Künstler.
Ranzoni genoß eine unbeschwerte Kindheit und Jugend, er liebte die
Natur und befaßte sich gerne mit der Pflanzen- und Tierwelt.
Sein Abitur machte er an der Realschule im 4. Wiener Gemeindebezirk.1915
mußte er einrücken, und erst nach Kriegsende sollte er, dem
Wunsche seines Vaters gemäß, an der Wiener Technischen Hochschule
inskribieren.
Die anfängliche Freude am Studium wich aber bald Mißvergnügen
und Abneigung gegen seelenlose Konstruktionen, die dem musisch veranlagten
jungen Menschen keinen Freiraum für den Ausdruck von Gefühlen
offen ließ. Er erkannte, daß ihn nur ein künstlerischer
Beruf ausfüllen konnte, und hier wiederum die Graphik als die für
ihn vorgezeichnete Richtung.
Mit Unterstützung seiner einfühlsamen Mutter gelang es ihm,
den anfänglichen Widerstand seines Vaters aus dem Weg zu räumen,
und 1923 begann er sein Studium an der Kunstgewerbeschule Wien mit Aktzeichnen.
Vom Werk Alfred Cossmanns war Ranzoni tief beeindruckt. Jetzt wußte
er, nur unter dessen Führung mag sich sein künftiges graphisches
Schaffen voll zu entfalten. 1925 wurde er in die Stecherklasse an der
Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt aufgenommen.
In den nächsten 3 Jahren erfuhr er die ersehnte Förderung und
Unterweisung in allen graphischen Disziplinen durch seinen verehrten Meister.
Danach etablierte er sich als freischaffender Künstler.
1940 heiratete er Edith Riedel, die sich als Werbegraphikerin bereits
einen guten Namen geschaffen hatte. Ein Bombenangriff raubte ihm seine
Wohnung und all seine künstlerische Habe, Platten, Arbeitsgerät
und Sammlungen. Dieser Verlust traf ihn schwer. 1945 wurde Ranzoni als
Nachfolger seines verehrten Lehrers, als Leiter der Stecherklasse an die
Graphische Lehr- und Versuchsanstalt berufen. Für ihn bedeutete das
die Krönung seines künstlerischen Schaffens, obwohl er bereits
seit 1929 Auszeichnungen und Preise auf zahlreichen Ausstellungen erringen
konnte. Ranzoni war ein begnadeter Kupferstecher, der sein ganzes Schaffens
dieser einzigen Technik widmete. Darin erreichte er aber eine Modulationsfähigkeit
und handwerkliche Einzigartigkeit. Er beschränkte sich aus freien
Stücken auf die klare, freie Linie, fern von jedem theatralischen
Effekt. Diese seine ehrfürchtige Einstellung zu den oft schlichten
Inhalten seiner unvergleichlichen Blätter läßt jedes seiner
Werke zu einem beglückenden Quell der Freude werden.
Es war mir vergönnt, diesen menschlich und künstlerisch so hoch
stehenden Menschen persönlich zu kennen. In all den Jahren ist meine
Verehrung für Hans Ranzoni stetig gewachsen, und auch seiner Frau
Edith war ich in großer Zuneigung verbunden.
Sein letzter Brief, datiert vom 8.10.1991 aus Filzmoos, erreichte mich
zugleich mit der Nachricht von seinem Tode. Hans Ranzoni ist am 11. Oktober
1991 von uns gegangen. Der tiefen Trauer, etwas Unwiederbringliches verloren
zu haben, ist kein Trost entgegenzusetzen. Wohl aber tiefe Dankbarkeit
dafür, daß es gegeben war, die letzten 12 Jahre am Rande seines
Lebens mitzugehen.
Susi Kolar-Plicka
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