EMIL ORLIK
21.7.1870 - 28.9.1932
Emil ORLIK als Exlibriskünstler.
Heinrich R. Scheffer
Um die Jahrhundertwende, als das Exlibris als Sammlerobjekt entdeckt
worden war, bis in die Zwischenkriegszeit hinein, entwickelte es
sich zu einer Modeerscheinung und erlebte eine Hochblüte. Das
Sammeln von Exlibris wurde eine beliebte Beschäftigung in den
Mußestunden der bürgerlichen Gesellschaft und war ein
Weg zur Selbstverwirklichung in einer Zeit des politischen und wirtschaftlichen
Umbruchs mit allen Anzeichen einer inneren Emigration. Die Exlibris-Bewegung
wurde so populär, daß sich Exlibris-Gesellschaften bildeten,
um das Sammeln, Tauschen, die Herstellung von Kontakten zwischen
Künstlern und Sammlern und die kunsthistorische Aufarbeitung
des Bucheignerzeichens zu betreiben.
Emil Orlik (Prag 1870-1932 Berlin) hatte enge Beziehungen zur Kunst
des Exlibris1. Im weiten Bogen seines künstlerischen
Schaffens, welches sich von der schnell hingeworfenen Skizze, über
sein reiches druckgraphisches Werk, seine Ölmalerei, bis zu
Plakat- Kostüm- und Bühnenbildentwürfen und sogar
zur Photographie2 spannt, nimmt das Exlibris eine wichtige
Stellung ein. Orlik hatte sich nicht gescheut, jede gebrauchsgraphische
Aufgabe mit der ganzen Kraft seiner künstlerischen Persönlichkeit
auszuführen. So entstanden Menükarten, Glückwunsch-
und Einladungskarten, Theaterzettel oder eben die von ihm vertretenen
modernen Gebrauchs-Exlibris. Es ist ein sehr persönlicher Teil
seines künstlerischen Lebenswerkes, ein Bereich, an dem man
seine Biographie ablesen könnte und der, wie sein Gesamtwerk3
, von hoher Individualität und Intensität zeugt.
Ein hervorragender Kenner seines graphischen Werkes, der Kunsthistoriker
Hans Wolfgang Singer, schreibt 1914: "Durch nichts ist
Orlik bekannter geworden, als durch seine Exlibris, und man kann
ihm, wenn man sämtliche Gesichtspunkte in Betracht zieht, wohl
ohne Bedenken die erste Stelle unter den deutschen Meistern hier
einräumen. Die Gemeinde der Exlibris-Sammler ist während
der letzten Jahre ungeheuer gewachsen; es gibt kaum einen, der sich
nicht ganz besonders um ein schönes "Orlik-Oeuvre"
bemühte und die Inhaber eines Orlikblattes beneidete. Und soviel
der Künstler schafft, kann er doch nicht annähernd alle
Bestellungen erledigen. Tatsächlich sind die meisten seiner
Exlibris sogar Werke der Freundschaft."4
Die in den letzten Jahren vervollständigte Werkliste von Exlibris
von Emil Orlik führt immerhin 142 Exlibris auf. Und tatsächlich
ist festzustellen, daß eine Vielzahl davon für Persönlichkeiten
bestimmt war, die seinem Bekannten-, Verwandten- oder Freundeskreis
angehörten oder seine Dankbarkeit verdient haben. Zur ersten
Gruppe, den Freunden, noch aus seiner Prager Zeit, gehören
Persönlichkeiten wie Rainer Maria Rilke (Nr. 102), Hugo Salus
(Nr. 109) oder Heinrich Teweles (Nr. 124, 125) die sich im einfluß-
und traditionsreichen Verein der Prager Dichter und Kritiker "Concordia"
trafen oder in den zahlreichen anderen Vereinigungen wie dem Geselligkeitsverein
"Schlaraffia", dem "Verein bildender Künstler",
der "Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft,
Kunst und Literatur in Böhmen" und in zahlreichen jüdischen
Vereinen. Rilke hatte in der Zeitschrift der Wiener Secession "Ver
Sacrum" den Essay "Ein Prager Künstler"5
über Orlik veröffentlicht und ihn so im Kreis der Secessionisten
auch literarisch verankert.
Ein frühes Exlibris ist das für den Poeten Otto Erich
Hartleben (Nr. 40), der später Mittelpunkt der Berliner Boheme
wurde. In Bernhard Pankok (Nr. 97) trifft Orlik während seiner
Studienzeit in München einen Kollegen, der ähnliche Interessen
auf dem Gebiet der Druckgraphik hatte und mit dem er für den
Rest seines Künstlerlebens freundschaftlich verbunden blieb.
Gemeinsam versuchten sie neue druckgraphische Techniken kennenzulernen
und mit ihnen zu experimentieren.
Zu den Persönlichkeiten, denen Orlik aus Dankbarkeit oder Verbundenheit
ein Exlibris gewidmet hatte, zählten der oben genannte Hans
Wolfgang Singer (Nr. 117, 118), der Webwarenfabrikant und Kunstmäzen
aus Reichenberg in Böhmen Dr. Rudolf Neumann (Nr. 84, 85) oder
der Architekt und Museumsdirektor in Brünn Julius Leisching
(Nr. 67). Der letztere war 1894 bis 1921 Direktor des Erzherzog
Rainer Museums für Kunst und Gewerbe und organisierte für
Orlik 1900 die erste große Kollektivausstellung in seinem
Museum. Die Ausstellung, in der alle künstlerischen Gattungen
vertreten waren mit denen sich Orlik beschäftigt hatte, „graphischen
Arbeiten, Pastelle, Ölbilder, Plakate, Exlibris, Buchtitel
und Buchschmuck und allerlei dekorativen Entwürfen“
war ein voller Erfolg. Die 24 Exlibris, vor allem Lithographien,
haben Orlik als Exlibris-Künstler vorgestellt. Nach seiner
Rückkehr aus Japan ist Orliks Bekanntheitsgrad in Wien durch
den 1902 von Leisching in der weitverbreiteten Wiener Kunstzeitschrift
„Die Graphischen Künste“ veröffentlichten
Artikel gesteigert worden, worin er schreibt: „Emil Orliks
Ruf ist in den Kreisen der Sammler und Kunstfreunde längst
als der eines trefflichen Exlibris-, Placat- und Buchkünstlers
bekannt gewesen. Sein glücklicher Griff im Vereinfachen und
Herausgreifen des Wichtigen ließ ihn gerade auf dem Gebiet
der Exlibris-Kunst mit bewundernswertem psychologischen Spürsinn
das Richtige treffen.“6
Die ersten Veröffentlichungen über Orlik stammen von Wilhelm
Schölermann (Nr. 114), Schriftsteller und 1898 Schriftleiter
der Zeitschrift „Ver Sacrum“ in Wien. Dieser hatte 1899
in einem Sonderdruck der Kunstzeitschrift „Die Graphischen
Künste“ über Orlik berichtet.7 Zur Popularisierung
Orliks als Exlibris-Künstler auch außerhalb Österreichs
hatte Schölermann ebenfalls beigetragen: Im gleichen Jahr veröffentlichte
er im englischen Kunstjournal „The Studio“ unter dem
Titel „Some Austrian Bookplates“ einen Überblick
über das österreichische Exlibris und hob darin vor allem
Emil Orlik als einen der interessantesten Künstler auf diesem
Gebiet hervor.
Eine weitere bedeutende Persönlichkeit im Wiener Kulturleben
um die Jahrhundertwende war Paul Bacher, Juwelier und finanzkräftiger
Kunstliebhaber. Er kaufte 1904 die Galerie Miethke im Palais Nako,
in dem heute das Jüdische Museum der Stadt Wien untergebracht
ist. Die Galerie, die 1861 von Hugo Othmar Miethke gegründet
worden ist, widmete sich in ihrer ersten Phase der etablierten Wiener
Malerei von Künstlern wie Rudolf von Alt, Hans Makart, August
von Pettenkofen, Anton Romako und anderen, die hauptsächlich
durch Auktionen verkauft wurden. Daß Paul Bacher die Galerieräumlichkeiten
den Secessionisten um Gustav Klimt zur Verfügung stellte, war
der letzte Anstoß zur 1904 vollzogenen Spaltung der Wiener
Secession und dem Auszug der "Klimt-Gruppe" aus der Künstlervereinigung.
Neben Josef Hoffmann, Kolo Moser, Alfred Roller, Carl Moll - die
übrigens alle, wie auch Gustav Klimt, Exlibris geschaffen haben
- hatte dieser Gruppe auch Emil Orlik angehört. Moll ist mit
der künstlerischen Leitung der Galerie betraut worden und ab
1904 wurden dort wichtige Ausstellungen veranstaltet, wobei eine
der ersten - 1905 - Emil Orlik gewidmet war. Orliks Musik-Exlibris
für Paul Bacher (Nr. 11) aus dem Jahre 1905 ist ein schönes
Beispiel für dessen Stil der Wiener Zeit.
Eine intensive, sowohl berufliche als auch persönliche Beziehung
bestand zwischen Orlik und dem Kunsthistoriker und Direktor des
Dresdener Kupferstichkabinetts Max Lehrs (Nr. 65). Obwohl Lehrs
Forschungsschwerpunkt der Kupferstich des 15. Jahrhunderts war,
förderte er als Kenner und Sammler von Graphik auch zeitgenössische
Künstler und kaufte deren Arbeiten systematisch auf, darunter
die gesamte druckgraphische Produktion Orliks. Lehrs kann als Entdecker
und einer der bedeutendsten Förderer des Künstlers gelten.
Ab 1898 und bis zu Orliks Tod im Jahre 1932 bestand eine rege Korrespondenz
zwischen Orlik und Lehrs. Diese Korrespondenz ist über alle
Kriegswirren hinweg erhalten geblieben und liefert heute einen wertvollen
Einblick in die alltäglichen Probleme und Freuden eines ambitionierten,
weitgereisten Künstlers.8
Orlik hatte es auch Max Lehrs zu verdanken, Anfang des Jahres 1900
über dessen Schwägerin Karoline v. Gomperz, geb. Bettelheim,
eine ehemals gefeierte Sängerin, in das Haus des Großindustriellen
Max v. Gomperz eingeführt worden zu sein. Dort wurde Orlik
auf das herzlichste aufgenommen, und es entwickelte sich eine Freundschaft
zu Marie v. Gomperz, einer der drei Töchter des Hauses, die
in einem Briefwechsel9 Ausdruck fand, der bis zu Orliks
Tod geführt wurde. Bereits der erste (erhaltene) Brief gibt
einen Hinweis auf ein Exlibris, das Orlik für Marie angefertigt
hatte, indem er schrieb: „Ich lege einen kleinen Probedruck
des noch immer nicht erledigten Exlibris bei - Im Übrigen (...)
schicke ich Ihnen bei Gelegenheit noch einige andere neuere Exlibris“.
So kann man annehmen, daß Marie v. Gomperz auch Exlibris gesammelt
hatte, zumindest die ihres Brieffreundes Emil Orlik - und tatsächlich
haben sich in der Sammlung Gomperz einige sehr schöne erhalten.
Das Exlibris für Marie v. Gomperz (Nr. 34) ist typisch für
seine figuralen Besitzerzeichen, die in den Abmessungen relativ
klein sind, die Schrift ist nicht exakt gesetzt, aber das Motiv
klar herausgearbeitet. In diesem Falle ist es ein jugendlicher weiblicher
Kopf, aus dessen Schläfen Flügelchen wachsen, als ob es
eine Glücksbotin wäre. Der Kopf ist von einem Rosenzweig
umgeben, auf dem eine Nachtigall singt.
Orlik hatte eine enge Beziehung zum Theater. Sie begann, als das
Deutsche Theater Berlin 1894 zu einem Gastspiel nach Prag gekommen
war und Orlik den Auftrag erhalten hatte, für die Aufführung
zu Gerhart Hauptmanns Stück „Die Weber“ das Plakat
zu entwerfen. Orlik führte es als Lithographie aus, seine zu
dieser Zeit bevorzugte graphische Technik. Es wurde jedoch sofort
wegen seines revolutionären Sujets und der befürchteten
aufwieglerischen Wirkung verboten, dann doch affichiert, und hatte
für beträchtliche Aufregung, aber auch für einen
großen Publikumserfolg des Theaterstückes gesorgt. Später
ist Orlik als Bahnbrecher der Plakatkunst gepriesen worden und seine
Steindrucke gehörten „wohl zu den ersten Original-Lithographien
in österreichischen Landen“10. Dieser Erfolg
führte zum ersten persönlichen Kontakt mit Gerhart Hauptmann,
aus dem sich eine enge Freundschaft entwickeln sollte. Erst kürzlich
ist in einem tschechischen Antiquariat eine Bleistiftzeichnung zu
einem Exlibris für Gerhart Hauptmann (Nr.142) aufgetaucht,
wobei nicht bekannt ist, ob dieser Entwurf je zu einem Exlibris
ausgeführt worden ist.
Zwei Jahre später, 1896, kam das Deutsche Theater Berlin wieder
auf ein Gastspiel nach Prag, diesmal mit Hauptmanns „Friedensfest“,
wobei Max Reinhardt als junger Schauspieler auftrat und die Figur
des Dr. Scholz darstellte. Bei dieser Gelegenheit hatte Orlik Reinhardt
kennen gelernt und es entwickelte sich in der Folge eine fruchtbare
künstlerische Zusammenarbeit, die 1897 mit dem Nachdruck des
Plakatentwurfes aus dem Jahr 1894 für „Die Weber“,
diesmal schon unter Reinhardts Regie in Berlin, begann und seit
Orliks Übersiedlung nach Berlin 1905 mit mehreren Engagements
als Bühnen- und Kostümbildner fortgesetzt wurde.
Die beiden Exlibris (Nr. 100; 101) für Max Reinhardt haben
natürlich Bezug zum Theater, und die Radierung von 1911 „beschwört
(...) einen ganzen Hexensabbath herauf, und läßt aus
der Fülle der Gesichter aus dem Dunkel des Hintergrundes, die
Buchstaben hervorleuchten, wie Reinhardts Kunstregie hell leuchtend
hinter all seinen Massenszenen steht.“11 Es
ist ein „kaum zu übertreffendes Vorbild dafür,
wie meisterhafte graphische Form und geistreicher und doch verständlicher
Inhalt sich zu einem amüsanten Ganzen fügen können,
das aber trotzdem nie einen Augenblick versucht, seinen Zweck zu
verleugnen und eine anspruchsvolle Sonderexistenz zu führen.“12
Als „Freundschaftsbeweise“ kann man auch die Blätter
für seine Nichte Minda Langweil (Nr. 63) oder für seinen
Bruder Hugo Orlik (Nr. 91; Nr. 92-93.1) bezeichnen. Das erzählerische
Blatt, das seinen Bruder als träumerisches Schneiderlein darstellt,
zählt zu Orliks frühesten Exlibris, die in Prag zwischen
1897 und 1900 entstanden sind und zu den vortrefflichsten Beispielen
lithographischer Kleingraphik gehören. Orliks Bruder ist tatsächlich
in die Fußstapfen seines Vaters getreten und hatte sein Modeatelier
in Prag übernommen. Die höchsten Prager Kreise zählten
zu seiner Klientel, ja er hatte sogar im Ausland Kunden mit eleganter
Garderobe versorgt. Auf seinen Bruder Emil dürfte er etwas
eifersüchtig gewesen sein, da er im Scherz zu sagen pflegte:
„Mein Bruder hat eine Werkstatt, ich ein Atelier!“13
Auch für sich selbst hatte Orlik Exlibris angefertigt (Nr.
88-90.2). Er verwendete diese kleinen Blätter als Beispiele
seiner Kunst, gewissermaßen als seine künstlerische Visitkarte
oder als Kostproben seines Schaffens. Er stellte sich 1897 als Faun
dar, gestützt auf seine Künstlerattribute, den Stichel
und Pinsel oder im Rahmen seiner im Selbstverlag 1900 herausgebrachten
Mappe „Kleine Holzschnitte“ als qualmenden Mann im Laufschritt,
eine Situation, in der sich der stets geschäftige, starke Raucher
Orlik oft befand (Nr. 90.2). Auf dem aufwendigsten seiner eigenen
Exlibris hatte Orlik 1902 (Nr. 89) einen No- Tänzer dargestellt,
als Hinweis auf seine in künstlerischer wie auch persönlicher
Hinsicht so bedeutende Reise nach Japan 1900/01.
Damit im Zusammenhang muß der Einfluß, den Orlik auf
seine künstlerischen Gastgeber in Japan14 ausgeübt
hatte, hingewiesen werden. Neben der von europäischen Künstlern
eigenhändig ausgeführten Druckgraphik - ein neuer Aspekt
für die auf Arbeitsteilung ausgerichteten japanischen Kollegen
- hatte Orlik auch das moderne, westliche Exlibris in Japan eingeführt.
Durch die Öffnung Japans für westliche Einflüsse,
ist das gebundene Buch mit festem Buchdeckel auch nach Japan gekommen
und damit erst die Voraussetzung vorhanden gewesen, Bucheignerzeichen
einkleben zu können, wie es in Europa seit Jahrhunderten üblich
war. Emil Orlik kann als der Begründer des Exlibris15
in Japan angesehen werden.
Die bereits besprochenen Werke Orliks zählen zu der Gruppe
der figuralen Exlibris, während die zweite Gruppe ornamentalen
Charakter hat und in zarteren Farben gehalten ist. Der dominierende
Bestandteil der Komposition ist das Monogramm des Eigners. Hier
greift Orlik auf seine ostasiatischen Eindrücke zurück,
und einige der streng gebauten, blockartig in sich geschlossenen
Blätter, mit geometrischen, signethaften Initialen im Mittelpunkt
sind auf den Einfluß Japans zurückzuführen. Nicht
zuletzt ist Orliks eigenes Monogramm ein japanisches Signet. Es
ist das Verdienst Orliks, das Monogramm als Ersatz für das
oftmals künstlich zusammengesetzte und herbeiphantasierte Wappen
zu nehmen und somit den Eigner, und nicht einen langen Zopf zur
Familiengeschichte, in den Mittelpunkt des Blattes zu stellen.
Vertreter des ornamentalen Typus sind die Exlibris für Josef
Fischl (Nr. 27) oder Gustav Küchler (Nr. 61) deren Bucheignerzeichen
zu klaren, auf das Monogramm als Signet reduzierten Buchmarken werden,
die wohl eine ornamentale Umrandung aufweisen, diese jedoch sparsam
einsetzen.
Während das erste der beiden für Gaston Carlin - Schweizer
Diplomat und Ehemann einer der beiden Schwestern von Marie v. Gomperz
- geschaffenen Exlibris (Nr. 18) noch dem Typus des figuralen Bucheignerzeichens
angehört, weist das zweite (Nr.19) alle Merkmale des ornamentalen
Typus auf, der von dem Monogramm als Signet dominiert wird. Walter
von Zur Westen, der Erneuerer des Exlibris-Gedankens in Deutschland,
schreibt 1909: „Heute ist er [Orlik] vielleicht der strengste
Vertreter der ornamentalen Buchmarke, die nichts erzählen will,
die eigentlich nur den Rahmen für das Monogramm des Buchbesitzers
bildet. Und man darf ruhig behaupten, daß ihm auf diesem Gebiete
niemand den ersten Platz streitig machen kann. Sein Zeichen für
Gaston Carlin ist ein Musterstück einer außerordentlich
stark und doch vornehm wirkenden ornamentalen Buchmarke. (...) Man
wird kaum bezweifeln können, daß dieses Vordringen eines
knappen, prägnanten Markenstils eine wohltätige Gegenströmung
gegen die allzu bildhafte, undekorative Weise darstellt, die besonders
in den letzten Jahren im deutschen Exlibris ein wenig überhand
genommen und die Buchmarke ungebührlich in den Hintergrund
gedrängt hatte.“16
Orlik-Blätter zählen zu den Raritäten einer Exlibris-Sammlung.
Sie sind als wertvolles Sammlergut gehortet und getauscht worden,
in der Absicht, sich an den schönen Blättern immer wieder
zu erfreuen. Und diese Sammlerfreude ist für alle jene erhalten
geblieben, die sich dem druckgraphischen Randgebiet des Exlibris
bis in die heutige Zeit widmen.
1 Heinrich R. Scheffer: Die Exlibris des Emil Orlik.
Verlag Claus Wittal, Wiesbaden 1992.
ISBN 3-922 835-23-6. Die im obigen Artikel angeführten Nummern
von Exlibris beziehen sich auf die Werkliste der Exlibris Orlik’s
in der gegenständlichen Publikation. Eine Ergänzung dieser
Werkliste ist in der Publikation:
Heinrich R. Scheffer: 100 Jahre Österreichisches Exlibris,
11. Sonderveröffentlichung der Österreichischen Exlibris-Gesellschaft,
Wien 2004 - ISBN 3-85437-261-2 - vorgenommen worden.
2 Eugen Otto (Hrsg): Emil Orlik, Leben und Werk 1870-1932,
Prag-Wien-Berlin; Verlag Christian Brandstätter, Wien 1997
3 Otmar Rychlik (Hrsg.), Emil Orlik – Prag, Wien,
Berlin, Ausstellung des Jüdischen Museums der Stadt Wien, Sonderzahl
Verlag, Wien 1997. ISBN 3-85449 116 6
4 Dr. Hans W. Singer: Meister der Zeichnung: Orlik.
Verlag von Baumgärtners Buchhandlung, Leipzig 1914
5 Rainer Maria Rilke: Ein Prager Künstle, in: Ver
Sacrum, 3. Jahrgang, Heft 7, Wien 1900
6 Julius Leisching, in: Die Graphischen Künste,
XXV. Jahrgang, 1902
7 Wilhelm Schölermann, Emil Orlik; in: Die Graphischen
Künste, XXI. Jahrgang, Wien 1899
8 Emil Orlik, Malergrüße an Max Lehrs, 1898-1930.
Adalbert Stifter-Verein (Hrsg.), Prestel-Verlag, München 1981
9 Otmar Rychlik (Hrsg.), Emil Orlik an Marie v. Gompetz,
Briefe 1902 . 1932, Sonderzahl Verlag, Wien 1997. ISBN 3-85449 117
4
10 Emil Orlik: Aus meinem Leben. Kleine Aufsätze.
Propyläen-Verlag, Berin 1924
11 Robert Corwegh, Emil Orlik, in: Exlibris, Buchkunst
und angewandte Graphik, Jahrgang 24, Heft 3/4 Magdeburg1914
12 Richard Braungart: Neue Deutsche Exlibris. Franz
Hanfstengel, München ca. 1916
13 Richard Katz, Der Stolze Schneider; in: Emil Orlik.
Ein Lebenswerk zwischen Prag und Berlin. Eine Ausstellungsreihe
der Künstlergilde, 1986-1988
14 Setsuko Kuwabara, Emil Orlik und Japan, Heidelberger
Schriften zur Ostasienkunde, Bd.8, Verlag Haag&Herchen, Frankfurt/Main
1987
15 Alexandra Smetana: Emil Orlik – Zum Japonismus
im Exlibris; in: Wiener Kunsthefte. Zeitschrift für Druckgraphik,
Wien 2003
16 Walter von Zur Westen, Allerlei Exlibris, in: Exlibris,
Buchkunst und angewandte Graphik, 19. Jg., Heft 4, Magdeburg 1909

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