Franziska Romana Jaksch von Wartenhorst

1896 - 1973

Franziska Romana Jaksch von Wartenhorst wurde als Tochter von Prof. Dr. Rudolf Jaksch von Wartenhorst (Professor für Spezielle Pathologie und venerische Therapie an der Deutschen Universität in Prag) und der Frau Adele, geb. Baronin Haerdtl aus Wien in Prag am 23. Februar 1896 geboren. Wegen ihrer Kränklichkeit erhielt sie vorerst Privatunterricht. Die Volks – und Bürgerschule besuchte sie bis 1909. Darauf folgten Privatstudien bis sie von 1912 – 1916 die k.k deutsch-tschechische gemischte Kunstgewerbeschule in Prag besuchte, welche unter der Leitung des Malers Prof. Jakesch stand. Anschließend folgten Studien bei Gorm-Rottmayer an der Kunstgewerbeschule in Wien (später Akademie für Angewandte Kunst, jetzt Universität für Angewandte Kunst). 1914 besuchte F.J. Kurse für Graphik in Prag bei Prof. Hugo Steiner, in Leipzig und bei Emil Orlik <1870 -1932> in Berlin. Von 1916 bis 1919 war J. Schülerin der Graphischen Lehr – und Versuchsanstalt in Wien bei Rudolf Larisch <1856 -1934> (Schriftkunst) und Ludwig Michalek. Bei letzteren betrieb sie die Radierkunst. Bei Prof. W. Unger lernte sie die Kunst des Buchschmuckes, bei Brandlmayer die Lithographie. Unter Prof. Wodnansky wurde die Zeichenkunst studiert. Schon seit dem Jahre 1913 war F.J. neben dem Studium künstlerisch tätig, wobei sie sich vorwiegend mit der Radierung und Buchillustration beschäftigte.


Als im Jahre 1919 ihr einziger Bruder an den Folgen einer im Krieg erworbenen Krankheit starb, mußte sie die Verwaltung eines großen Familiengrundbesitzes übernehmen. Sie fand neben der gutsverwalterischen Tätigkeit nur mehr wenig Zeit zur künstlerischen Betätigung. 1920 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in Prag im Rahmen eines Spezialkurses für graphische Künste bei August Brömse. 1921/22 war sie Meisterschülerin bei Emil Orlik in Berlin. 1922 erfolgte der endgültige Abbruch des Kunststudiums und die Übernahme der Gutsverwaltung des landgräflichen Großgrundbesitzes in Böhmen. Neben der Gutsverwaltungstätigkeit mußte sie noch Forstwirtschaft studieren. 1937/38 legte sie die Staatsprüfung für Forstwirtschaft ab. Trotz des hauptberuflichen Broterwerbs war F.J. von 1925 bis 1945 in der Tschechoslowakei als freischaffende Künstlerin tätig. Daneben betätigte sie sich als Gemeindechronistin, Heraldikerin und in der Urgeschichtsforschung im Rahmen von Ausgrabungen und Sicherungsarbeiten.


Während der deutschen Besetzung der Tschechoslowakei (Protektorat) wurde ihr unter politischem Druck das Besitzrecht auf die Güter 1941/42 übertragen. Unmittelbar nach dem Kriegsende erfolgte am 9.6.1945 die Enteignung sämtlicher Besitztümer. Wegen der Pflege ihres inzwischen mittellos gewordenen Vaters, erfolgte zunächst keine Ausweisung. Sie fand eine Beschäftigung im tschechischen Forstdienst (Forstinspektion Mies). Zuletzt war sie auf der staatlichen Domäne Krukanitz tätig. Sie wurde nach der Gründung der kommunistischen Volksrepublik sogar zum Oberförster befördert. Nach dem Ableben ihres Vaters am 8.1.1947 war die Ausreise nach Österreich erst im Jahre 1948 nach Überwindung verschiedener Schwierigkeiten möglich. Im Mai 1948 kam sie nach Wien. Ab Juni 1948 war sie als Gartenarbeiterin bei der Van der Straatensch Gutsdirektion in Wien XIII tätig. Schon am 10.12.1948 wurde F.J. die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit im Forstwesen beschloß sie, sich wieder ihren künstlerischen Neigungen zuzuwenden. Nach 6 Monaten Beschäftigung als Präparatorin der Prähistorischen Abteilung am Naturhistorischen Museum in Wien fand sie eine Anstellung 1949 beim Bundesdenkmalamt. Eine ihrer ersten Aufgaben war die Zusammensetzung der Freskenscherben des Raumes „K“ vom Magadalensberg in Kärnten unter der Leitung von Prof. Rudol Egger <1882 – 1969>. Zugleich begann F.J. mit dem Studium für Technologie und Restauration an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei den Professoren Robert Eigenberger und Paris Gütersloh, welches sie mit dem Diplom einer Akademischen Restauratorin fast schon 50 Jahre alt abschloß. Im September und Oktober 1954 absolvierte sie einen Studienaufenthalt in Italien, wo sie an der Bergung eines Freskos der Casa des Gryphius am Palatin in Rom (200 v. Chr.Geb.) beteiligt war. Franziska Jaksch wurde wegen ihrer restauratorischen Leistungen vom Bundespräsidenten der Berufstitel „Professor“ verliehen.


Franziska Jaksch hat ihre graphische Tätigkeit nach dem 2. Weltkrieg scheinbar vollkommen aufgegeben. Sie war bis zu ihrem Lebensende am Bundesdenkmalamt tätig, wo sie an bedeutenden Restaurationsarbeiten beschäftigt war. Sie verstarb am 10. Juli 1973 in Wien und wurde hier am Baumgartner Friedhof begraben.

Tillfried Cernajsek