Alfred Cossmann


2.10.1870 Graz - 31.3.1951 Wien (?)

Die Wiederbelebung des Kupferstechens in Österreich in seiner edelsten Ausformung ist unzertrennlich mit Cossmann verbunden. Er entstammte einer hochkultivierten Familie von literarisch und auch künstlerisch tätigen Ahnen. War es beim Vater noch die Hinneigung zur Dichtung, so trat die graphische Begabung bei seinem Sohn umso gewaltiger in Erscheinung. Seine Eltern standen bereits im reifen Alter, als Alfred geboren wurde und als ernstes stilles Kind in ländlicher Abgeschiedenheit aufwuchs, und damit wurde eine ganz innige Beziehung zur Natur grundgelegt.

Im Nebengegenstand "Freihandzeichnen" fiel seine außergewöhnliche Begabung auf, und sein Vater faßte den Entschluß, darauf die Zukunft seines Sohnes aufzubauen. Die günstige Beurteilung seines Vetters, einem bekannten Holzschneider, bestätigte ihm in seinem Entschluß, den Knaben von der Grazer Oberrealschule zu nehmen und an die Wiener Kunstgewerbeschule zu schicken. 1885 kam er also nach Wien. Die Vielfalt der prächtigen Bauten und Baustile, sowie die Überfülle, die sich auch in den übrigen Künsten manifestierte, blieben nicht ohne Wirkung auf den Sechzehnjährigen. Zugleich aber erkannte er, daß er sein Privileg war, dem Gewaltigen in Form und Gestaltung die beherrschte klare Linie, dem Prunk die Bescheidenheit im Ausdruck entgegenzusetzen.

Vorerst trat er in die Keramikklasse von Professor Macht ein, lernte Majolikaherstellung, Emailmalerei und Glasbläserei. Mit dem Tod seines Vaters fiel sein ursprüngliches Ziel, bei Villeroy und Boch unterzukommen, weg und er beendete die keramische Ausbildung, um sich dem Studium der menschlichen Gestalt bei Professor Karger zuzuwenden. Über seinen Lehrer fand er den Weg zu Professor William Unger, der ihm die Kenntnisse der Radiertechnik vermittelte, und als dieser für das Fach der Radierkunst an die Akademie der Bildenden Künste berufen wurde, folgte ihm 1895 auch Alfred Cossmann als Spezialschüler. Stipendien sicherten seine Lebensgrundlage, daneben gab es bescheiden honorierte Aufträge. Nach 14 Jahren beharrlichen und gewissenhaftem Studium verließ er die Akademie als Dreißigjähriger. Nun konnte er seinen Weg als Kupferstecher beschreiten, still, beherrscht, der klaren Linie verpflichtet.

Der Übergang in das neue Jahrhundert stand im Zeichen eines Auseinanderfallens, gesellschaftlich wie kulturell. Wohl spiegelte sich im 19. Jahrhundert noch die Kunst der schöpferischen Epochen, aber das 20. Jahrhundert mochte das Neue. In diesen von Zwiespalt gelenkten Auseinandersetzungen ging Alfred Cossmann unbeirrt seinen künstlerischen Weg, von der Natur zur Linie als Ausdruck für das Geistige, und doch war er keineswegs ein weltabgewandter Einzelgänger.

1905 wurde er Mitglied des "Künstlerhauses", aber von noch größerer Bedeutung für ihn wurde die 1903 gegründete Österreichische Exlibris – Gesellschaft. An der Entwicklung der Bucheignerzeichen war Cossmann maßgeblich beteiligt.

1913 heiratete er Anna Wettengel, die ihm verständnisvoll zur Seite stand. Seine Wohnung bezog er in der Lazaristengasse. Es war seine 15. Bleibe in Wien, und nun fand er endlich, von Alltagssorgen unbelastet, die endgültige Form seines Ausdrucks im Kupferstich. Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen – 1913 die Goldene Staatsmedaille, 1916 den Kaiserpreis und 1932 das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich – belegen und bestätigen, dass man sein Werk zu würdigen wusste; wirkte er doch nachhaltig auf seine Zeit ein, nicht nur als Mensch und Künstler, sondern auch als unmittelbarer Lehrer an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt.

Er hat so viele Schüler mit seinen Idealen durchdrungen, dass man von seiner "Wiener Kupferstecherschule" sprechen kann, deren Absolventen seinen hohen Anforderungen gerecht wurden. Zu den herausragendsten seiner Schüler – ebenfalls mit vielen Preisen und Auszeichnungen geehrt – zählen Hans Ranzoni d. J., Friedrich Teubel, Hubert Woyty – Wimmer, Herbert Toni Schimek , Karl Haselböck und Rose Reinhold sowie die Banknotenstecher Rudolf Zenzinger und Rupert Franke.

Als Alfred Cossmann am 3. März 1951 starb, hat Österreich den für den Kupferstich wohl bedeutendsten Künstler verloren.


Susi Kolar – Plicka