|
Fritz (Friedrich Rudolf) Cernajsek
von Tillfried CERNAJSEK*) *) Anschrift des Autors: Hofrat Dr.phil.Tillfried CERNAJSEK, Fritz (Friedrich Rudolf) Cernajsek wurde am 13. November 1910 in Wien geboren, wo er nach dem Besuch der Volks – und Bürgerschule in der Werkstätte seines Vaters Rudolf Cernajsek (1880 – 1955) das Graveur- und Emailleurhandwerk erlernte. Diese handwerkliche Berufsausbildung sollte zum Grundstein seiner späteren beruflichen Tätigkeit als Künstler, insbesondere als Radierer und Kupferstecher werden. Schon in der Schulzeit ist das Talent von Fritz Cernajsek den Lehrern aufgefallen. Da seine Eltern ein Sommerhäuschen mit einem Garten in Perchtoldsdorf besaßen, hielten sie sich in fast jeder freien Minute auf ihren Landsitz auf. Hier machte F. Cernajsek seine ersten Naturstudien und Versuche im Kupferstechen. Im Stammheurigen seines Vaters, beim "Vielkinderwurth" (Kinderwurth) in der Walzengasse, verewigte er Gäste, Familienangehörige und auch die alte Weinpresse in seinem Skizzenbuch. Diese Skizzen sollten sich später in seinen Hauptwerken "Die Weinlese" und im "Faustzyklus" wiederfinden, in welchen Motive aus Perchtoldsdorf Eingang in seine Kompositionen fanden. Hier in Perchtoldsdorf ergaben sich die ersten Kontakte zu Künstlerkreisen. Maria Grengg (1889-1963), Karl Hans Strobl (1877-1946) und der Mundartdichter Georg Strnadt zählten zu den über Jahrzehnte treuen Freunden. 1934 wurde F. Cernajsek in die Meisterschule für Graphik an der Akademie (heute Universität) für Bildende Künste in Wien aufgenommen, wo er bei den Professoren Rudolf Jettmar, Wilhelm Dachauer und Christian Ludwig Martin u.a. studierte. Schon während der Studienzeit zeigten sich erste Erfolge und Auszeichnungen. Doch die bedeutendste, das österreichische Staatsreisestipendium wurde von den eben an die Macht gekommenen Nationalsozialisten beschlagnahmt. Eine Rückerstattung des hohen Geldbetrages oder gar eine Anstellung als Lehrer wurde verweigert, da er kein Parteimitglied sei. 1939 heiratete er die Germanistikstudentin und Lehrerin Sophie Steger. Sie musste kriegsbedingt und aus politischen Gründen das Germanistikstudium aufgeben und die Ergänzungsprüfung für das Volkschullehramt ablegen. Schon 1940 erfolgte die Einberufung in die Deutsche Wehrmacht. Durch einen glücklichen Zufall blieb er von Fronteinsätzen verschont, da er 1942 den Rompreis erhielt. Dieser war mit einem Studienaufenthalt in Italien verbunden, welcher trotz widrigster Umstände angetreten wurde. Wahrlich ein Geschenk des Himmels. Obwohl die Versorgungslage außerordentlich schlecht war und die Front der Alliierten täglich näher rückte, erlebten Sophie und Fritz Cernajsek hier eine glückliche Zeit. Sie drückt sich in seinen Arbeiten und gefüllten Skizzenbüchern aus. Es entstanden zahlreiche Zeichnungen und vor allem viele große Aquarelle der italienischen Landschaft. 1943 wurde Sohn Tillfried geboren. Die militärische Lage machte es wegen der täglich drohenden Bombardierungsgefahr dringend notwendig Wien zu verlassen. Die Gattin des Künstlers wurde aus dem Lehrdienst entlassen. Und so ging es über Wullersdorf zunächst nach Ulrichsberg im Mühlviertel, wo die kleine Familie das Ende des zweiten Weltkrieges miterleben musste. Nach der Neuaufteilung der Besatzungszonen in Österreich ging F. Cernajsek mit den Amerikanern nach Aschach an der Donau, wo die Tochter Roswitha geboren wurde. Hier in Oberösterreich sollte F. Cernajsek die zweite Blüte seines künstlerischen Schaffens erleben. Es gab hier genug Motive zu zeichnen und zu malen. Die Ansichten von Aschach an der Donau und von Linz wurden in Kupfer gestochen. Die Umsetzung der zahlreichen Zeichnungen und Skizzen in Druckgraphiken war die große Stärke von Fritz Cernajsek. In Oberösterreich erfuhr er auch die Förderung durch den damaligen Landeshauptmann Heinrich Gleißner (1893-1984) und den Linzer Bürgermeister Ernst Koref (1891-1988). Hier erfolgten die ersten großen Ausstellungen und eine breite Anerkennung des künstlerischen Schaffens nach dem 2. Weltkrieg. In Oberösterreich lernte er auch zahlreiche Künstlerpersönlichkeiten kennen, so Max Kislinger (1889-1993) in Linz und Alfred Kubin (1877-1959) in Suben bei Schärding. Seine Frau Sophie Cernajsek, geborene Steger, konnte in Aschach and der Donau ihren Schuldienst wieder aufnehmen. Den Tod der Eltern von F. Cernajsek, die in Wien geblieben sind, nützte er, um nach Wien zurück zukehren . 1958 wurde eine zweite Tochter Ulrike geboren. F. Cernajsek zog es nach Perchtoldsdorf zurück, wo 1939 der Ehestand begründet worden war und er kurze Zeit gelebt hatte. Fritz und Sophie Cernajsek erwarben in Perchtoldsdorf ein neues Grundstück und ließen sich ein Haus errichten, in welchem F. Cernajsek sich den Lebenstraum eines eigenen Ateliers erfüllte. 1966 wurde das liebevoll "Perchtahaus" genannte Haus bezogen. F. Cernajsek zog sich in das neue Heim zurück, das er auf der Südseite mit einer großen Wandmalerei geschmückt hatte. Er liebte das Landleben und lehnte die Stadt ab. Enttäuscht von allen Bemühungen, auch in wirtschaftlicher Hinsicht Anerkennung zu finden, wich er in die – wie immer wieder betonte – von ihm selbst gewählte innere Emigration aus. Besonders hier in Perchtoldsdorf ehrte man sein Werk 1975 durch eine große Ausstellung in der Burg zu Perchtoldsdorf. Die Schaffenskraft von F. Cernajsek ließ in seinen letzten sieben Jahren seines Lebens spürbar nach, was er mit der letzten Tagebucheintragung am 12. März 1994 festhielt: " Seit Tagen drückt mich eine Müdigkeit. Ich bin zu nichts fähig". Nach langer Krankheit verschied er an seinem 86. Geburtstag. Sein Grab befindet sich auf dem Perchtoldsdorfer Friedhof . Seinem künstlerischen Stil blieb er bis zum Ende seiner Tage treu
und biederte sich anderen, vielleicht auch zeitgemäßeren Stilrichtungen
um keinen Preis an. Altbundespräsident Rudolf Kirchschläger
charakterisierte die Leistungen unseres Vaters im Beileidschreiben an
seine Witwe treffend: "Er war ein wahrhaft großer Künstler,
dessen Werke wohl erst in späteren Jahren die gebührende allumfassende
Anerkennung finden werden und er war ein Mensch, für den die Treue
zu seiner Überzeugung noch ein unverzichtbarer Teil seines Ichs gewesen
ist". |
|
|